Nachhaltigere Hochschule: Ideenblock 2.0

DSC02943Was benutzen eigentlich alle Studierenden, Schüler_innen und Auszubildenden? Richtig, einen Schreibblock. Wie wärs denn mit einem Exemplar, das fast nur aus „Müll“ besteht: Dem Ideenblock.


Wer oder was ist der Ideenblock?

Den Ideenblock habe ich gemeinsam mit einem Kommilitonen im letzten Jahr entwickelt. Er ist eigentlich ein ganz normaler DIN-A4-Schreibblock. Wie ein Collegeblock. Das Besondere am Ideenblock ist allerdings, dass er aus bereits einseitig bedrucktem Papier und alter Pappe besteht. Daraus ergibt sich auch sein doppelter Nutzen: Einerseits trägt der Ideenblock zu ökologischer Nachhaltigkeit bei, indem er schon gebrauchtem Material (Papier, Pappe) ein zweites Leben einhaucht. Andererseits hat er einen ganz praktischen Wert. Denn auf den bedruckten Rückseiten seiner Blätter finden sich mitunter interessante Texte, Abbildungen und PowerPoint-Präsentationen. Anders als ein Collegeblock, kann der Ideenblock dadurch seinem_r Nutzer_in helfen, auf neue oder andere Ideen zu kommen. Daher auch der Name – Ideenblock.

Schon im letzten Jahr fanden wir dieses Gesamtpaket überzeugend und wollten den Ideenblock an unserer Hochschule groß herausbringen. Jedoch fehlte es uns beiden an der nötigen Zeit.

Ideenblock 2.0

Wie so häufig im Leben kam uns dann aber das Glück entgegen. Im vergangenen Sommersemester belegten wir beide ein Seminar zum Thema „Social Entrepreneurship“1. In einer der ersten Sitzungen präsentierte mein Kommilitone seinen Verein, die Ideenzentrale, und stellte dabei auch den Ideenblock vor. Die Dozentin war sofort begeistert. Die anderen Seminarteilnehmer_innen auch. Und ich saß ebenfalls mit im Raum und witterte meine Chance, gleich drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Erstens musste ich in diesem Seminar auch noch eine Prüfungsleistung absolvieren, zweitens war das die Gelegenheit, mir die nötige Zeit zu verschaffen, um den Ideenblock groß herauszubringen und drittens konnte ich auf diesem Wege (doch) noch eine exemplarische Vorzeigeaktion passend zu meiner selbstorganisierten Wahlveranstaltung an der ASH starten.

Im Anschluss an die Seminarsitzung ging ich zu der Dozentin und schlug ihr vor, den Ideenblock als eine sozial-ökologische Unternehmung an der ASH Berlin auszuprobieren. Meine Prüfungsleistung bestünde darin, die Theorie in der Praxis zu erproben und von meinen Ergebnissen zu berichten. Sie willigte ein und die Aktion „Ideenblock 2.0“ war geboren.

Bevor ich irgendetwas unternahm, setzte ich mir für diese Aktion ein Zeitkontingent von 35 Stunden. Im Rahmen einer Prüfungsleistung hielt ich das für angemessen. Darüber hinaus definierte ich ein klares Ziel: „Ich will zu Beginn des nächsten Semesters mindestens 8 Ideenblöcke an der ASH verteilen“. Mein bisheriger Ideenblock-Partner hatte für die nächste Zeit andere Pläne und so verfolgte ich die Sache erstmal allein. Zunächst entwickelte ich eine Projektskizze. Ich überlegte, was ich alles für den Ideenblock 2.0 brauchte und welcher Hochschulort das Material oder die notwendige Dienstleistung am ehesten zur Verfügung stellen könnte. Danach begann ich an den entsprechenden Orten für den Ideenblock zu werben und Kooperationen aufzubauen. Folgendes kam dabei heraus:

1. Papier + Pappe → ASH Bibliothek
2. Bindung → Druckerei
3. Design → Kunstwerkstatt (?)
4. Offizielle Anerkennung → Prorektorin

Als ich drei Wochen später meine Ergebnisse im Seminar präsentierte, konnte ich von ersten Kooperationen mit der Bibliothek und der Druckerei berichten. Die ASH Bibliothek würde zukünftig für mich ihre Fehldrucke und ihre alten Pappkartons zur Seite legen und in der Druckerei könnte ich die Ideenblöcke für 80 Cent pro Exemplar binden lassen. Hinsichtlich des Designs gab es mehrere Gespräche mit den Tutor_innen von der Kunstwerkstatt. Leider hatten sie letztlich nicht die technischen Möglichkeiten, um meinen Designvorschlag auf Pappe zu bringen. Doch auch hier hatte ich wieder Glück. Noch während meiner Ergebnispräsentation bot mir eine Studentin aus dem Seminar ihre Hilfe an. Sie könnte mit ihrer Kunstgruppe die Pappen per Siebdruck bedrucken. Was für ein tolles Angebot – vielen Dank nochmal dafür!

Auf die offizielle Anerkennung musste ich am längsten hinarbeiten. Als ich mich mit der Prorektorin, mit der ich schon nach dem Hochschultag gesprochen hatte, Anfang Juli zusammensetzte, war die Prüfungsleistung bereits in trockenen Tüchern. Daneben gab es noch eine weitere Neuigkeit: Gemeinsam mit vier anderen Studierenden hatte ich in der Zwischenzeit eine ökologische Initiative an der ASH gegründet. Die Prorektorin begrüßte unsere Initiative, die selbstorganisierte Wahlveranstaltung und den Ideenblock. Darüber hinaus sprachen wir über weitere Handlungsfelder (Einweg-Kaffeebecher, nachhaltigeres Veranstaltungsmanagement, Stromverbrauch) und über Perspektiven für 2016. Allmählich kam die Sache ins Rollen…

Ideenblock goes ASH

Bis Mitte September stellten wir als frischgebackene Initiative 8 Ideenblöcke her. Die Herstellung lief in folgenden Schritten ab: 640 Schmierblätter auf den Tisch legen, 640 Schmierblätter sortieren und nach sensiblen Daten durchsuchen, anschließend alle Blätter lochen, als nächstes die 16 Pappen zurechtschneiden und die 8 „Frontpappen“ bedrucken und zum Abschluss alles in die ASH Druckerei bringen und binden lassen. Vom 24. September bis zum 2. Oktober ging es dann an den Vertrieb. Beim Gemeinsamen Belegen2 verteilten wir unsere 8 Ideenblöcke an 8 Studierende aus vier verschiedenen Fachsemestern. 37 weitere Studierende schrieben sich in eine Interessent_innen-Liste ein.

Angesichts der positiven Resonanz ist es unser nächstes Ziel, den Ideenblock fest an der ASH zu etablieren. Warum nicht die Schmierblätter aus der Verwaltung, dem Computerzentrum und der Bibliothek zumindest zum Teil für weitere Ideenblöcke nutzen? Für viele Studierende, aber auch andere Hochschulangehörige, wäre das eine praktische Sache. Außerdem könnte der Ideenblock am Anfang einer größeren Kampagne stehen, die versucht, den Papierverbrauch an der ASH insgesamt zu reduzieren. Pro Semester werden locker über 1.000.000 (!) Blätter durch die hochschulinternen Drucker gejagt. Allein schon mit einer konsequenteren Anwendung des „beidseitigen Drucks“ ließen sich erhebliche Einsparungen erreichen. Nicht weniger wichtig wäre ein Gedanke davor: Muss ich diesen Text, diese PowerPoint-Präsentation wirklich ausdrucken?

Abgesehen von seinem praktischen Nutzen und den (ökologischen) Einsparpotentialen, könnte der Ideenblock auch für die ASH als Institution interessant sein. Wie viele Hochschulen deutschlandweit haben schon ihren eigenen nachhaltigeren Schreibblock?

Als kleine studentische Initiative haben wir sehr gute Vorarbeiten geleistet. Wir haben einen qualitativ hochwertigen Ideenblock geschaffen – mit Top-Inhalt und Top-Design. Wir haben die Herstellung und den Vertrieb selbst übernommen und dabei zahlreiche Hochschulangehörige miteingebunden: die Bibliothek, die Druckerei, die Kunstwerkstatt, das ComZ, das StuPa, das Tutor_innen-Team vom Gemeinsamen Belegen und die Pressestelle.

Das alles haben wir (auch) in unserer Freizeit gemacht. Neben dem Vollzeitstudium, neben dem Praktikum, neben der Bachelorarbeit. Soll unser Engagement auf diesem Niveau weiter gehen – oder sich angesichts der positiven Resonanz gar ausweiten – dann müssen uns die Hochschulverantwortlichen unter die Arme greifen. Der Aufbau eines Nachhaltigkeitsteams/-büro, die Schaffung von Tutor_innen-Stellen, die Einsetzung eines_r Nachhaltigkeitsbeauftragten – das alles wären konkrete Perspektiven, die in den nächsten Monaten geschaffen werden können. Wie sagte unser Rektor nach dem Hochschultag so schön: „Es liegt nun an uns allen, die vielen Ideen und Anregungen aus dem Hochschultag zum Thema Nachhaltigkeit mit Leben zu erfüllen“3. Wir sind gespannt und bleiben am Block!


1 Social Entrepreneurship heißt übersetzt „soziales Unternehmertum“. Darunter fallen Unternehmen, bei denen nicht der Profit, sondern der gesellschaftliche Mehrwert im Vordergrund steht.

2Das Gemeinsame Belegen ist eine Besonderheit im Studiengang Soziale Arbeit an der ASH. Die Studierenden jedes Fachsemesters treffen sich jeweils an einem Tag und belegen die neuen Seminare gemeinsam im Audimax. Anders als beim rein elektronischen Belegen, geht es nicht nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, sondern darum, für alle Beteiligten einen passenden Stundenplan zu finden.

3Prof. Dr. Bettig, Uwe: Editorial. In: alice Magazin der Alice Salomon Hochschule Berlin, Nr. 29. Jg. 2015, Heft 1, S.1.

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